Sciwago

Die Idee zum Kombi
1978 begann Günther Artz mit seinem Team an der Verwirklichung seiner neuesten Idee; einem Sciroccokombi. Der Name war, dank seiner Frau schnell gefunden. Sci-wago =Eine Mischung aus Scirocco und dem engl. Wagon für Kombi angelehnt an Dr. Schiwago. Eine klasse Idee von Frau Artz und einfach nicht besser möglich für solch einen Fahrzeugtyp.
Die Umsetzung
In der Werkstatt vom Autohaus Nordstadt hatte man schon reichlich Erfahrungen mit Umbauten gesammelt, z.B einen Porschemotor in einem Käfer/Typ 3 und durch die White-edition vom Käfercabrio schon in der einschlägigen Fachpresse auf sich aufmerksam gemacht.
Das Dach wurde per Hand gedengelt, das Seitenteil gestutzt und in einem neuen Winkel aus den alten Blechteil wieder zusammengeschweißt. Die Scheiben waren eine Sonderanfertigung aus Belgien und immer in Colorglas. Das Heckteil wurde am Schlossträger eingeschnitten und abgesenkt. Für die Heckklappe aus GFK wurde eine extra Form hergestellt in der die alten Schlösser wieder Verwendung fanden. Als Befestigungsträger für die Klappe wurde der Dachträger samt Klappenschanieren vom Golf 1 gewählt.
Die Ersten Fahrzeuge wurden in die Verkaufsräumen gestellt und an der Vahrenwalderstr. in Hannover wurde eine Verkaufsoffensive gestartet. Bei einem Fototermin wurden 12 Sciwagos an der Str. im Norden Hannovers abgelichtet. Der Verkauf der Exklusivkombis konnte beginnen.
Die Fahrzeuge waren nun keine VW`s mehr, sondern wurden per Einzelabnahme zu" Artz-Automobilen". Bei den Motoren war alles möglich, was der Kunde oder sein Geldbeutel hergab. Oft wurde ein Motor mit 1,8 L Hubraum mit 125 PS von Oettinger verbaut. Der Kombi ohne Nutzwert wurde in mehreren Zeitschriften vorgestellt, so dass immerhin 52 Stck. gebaut wurden. Der AMS 09/78 war er ein Artikel wert, für die VW Hauspostile Gute Fahrt hingen nur ein Nordstadtzwitter. Das dort abgebildete Fahrzeug ist ein Prototyp mit anderen Seitenteilen und Seitenscheiben. Die obligatorische Dachrehling stammt vom Mercedes W 123 Kombi und wurde für die Verwendung am Sciwago etwas in der Länge gekürzt.
Die Vermarktung
Auch Kamei konnte sich für die Form begeistern und gab gleich ein Datenblatt mit "sportlichen Zubehör"für den Sciwago in Auftrag.
Durch seine Augenscheinlich guten Kontakte zur AMS (5 Berichte in 6 Jahren) schafte es Artz 1979 eine Preisliste für den Sciwago in der Zeitschrift zu plazieren. Eigentlich war alles möglich was der Kunde wünschte, so ist auch Exemplar mir beheizbarer Windschutzscheibe bekannt,
Die Qualität
Die Schweißverbindungen wurden "ab Werk" nicht verzinnt und haben die Haltbarkeit einer schlechten Unfallreparatur. Faustgroße Löcher sind im C-Säulenbereich kein Einzelfall und bisweile leckte es auch durchs Dach.
Die Dachhaut wurde nur grob vorgeformt und mit Spachtelmasse in Endform gebracht, das Ergebnis dieser Meisterleistung ist auf dem Bild sehr Anschaulich. Laut Günther Artz war dies in den 70/80 ìgern so und es war damals nicht davon auszugehen, dass die Fahrzeuge solch ein Alter bekommen und heute noch existieren.
Was blieb
Der letzte Sciwago wurde 1982 verkauft. Das Autohaus Nordstadt und G. Artz gingen ab 1982 getrennte Wege. Bei Nordstadt in Hannover gab es kein Tunning mehr sondern es war "nur noch" ein VAG-Vertragshändler, der voran nicht mehr viel von seiner Tuninggeschichte wissen wollte.
Artz baute noch weitere Exklusivumbauten, so auch 12 Porsche 928, die mit einer verbreiterten Golf 1 Karosse versehen wurde. Die Porsche 924, 928, 944 sowie den Audiquattro baute er ebenfalls zum Kombi um. Aus dem Jetta machte er eine Cabrio und aus dem Golfcabrio einen Speedster. Teils noch bei Nordstadt und später dann selbsständig als Artz- Automobile.
Später wurde Artz noch durch sein Autolager bekannt, das 1979 mit der Einlagerung von über 60 neuen Käfercabrios begann. In einer Halle wurden die Fahrzeuge in einer Lüfthülle mit trockener Umluft verpackt und durch Schlauchverbindungen bestmöglich klimatisiert gelagert. In der folgenden Zeit wurden die Plätze vermietet. In regelmäßigen Abständen wurde hierüber auch in der Fachpresse berichtet. Bei einem Hallenbrand in Hannover wurden leider alle Unterlagen und Formen für den Sciwago zerstört.
Volkswagen griff die Idee vom kleinem Kombi beim Polo- Fox auf. In den 90`iger feierte der Sportkombi bei Alfa ein Comeback. Von den 52 gebauten Sciwagos sind derzeit 7 bekannt, von den 7 ist 1 exemplar Fahrbereit!
Artz-Automobile gibt es immer noch, auch wenn dort nur noch Fahrzeuge gelagert werden.

